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21.05.2009 - www.volksfreund.de
Wer in den Dörfern der Südeifel und Luxemburgs an Häusern barocke Elemente entdeckt, ist möglicherweise der Echternacher Schule“ auf der Spur. Dabei handelt es sich um einen Baustil, der mit dem Neubau der Echternacher Abtei (1727-1734) eingeführt wurde und auch die Erbauer von Bauernhäusern inspirierte. Von unserer Mitarbeiterin Kathrin Hofmeister
Niedersgegen. Gertrud Petry hat noch Kundschaft im Hofladen, aber das Schlossgut in Niedersgegen darf sich die Exkursionsgruppe gern schon einmal ansehen.
Charakteristisch für das 1823 errichtete Herrenhaus sind die betonte Mittelachse und die Eckpavillons. Strukturiert wie Schloss Weilerbach zeigt es, dass der von der Abtei Echternach abstammende Baustil in der Grenzregion sogar nach der Französischen Revolution lebendig blieb. Mit dem Prälatenflügel der Abtei war in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts ein völlig neuer, für die ländlichen Verhältnisse ungewohnter Baustil „eingewandert“. Das damalige Herzogtum Luxemburg, zu dem auch die heutige Südeifel gehörte, entfaltete unter habsburgischer Herrschaft von 1714 bis 1794 eine reiche Bautätigkeit.
„Die Übertragung von Stilelementen aus der Prestige-Architektur in den profanen Bereich hat Einmaligkeitscharakter“, sagt Georges Calteux, Initiator des Kulturprojekts „Doppeladler“. Man muss sich nur in den Dörfern umsehen. Ob in Berdorf, links der Sauer oder in Wettlingen, rechts der Sauer, überall entlang der 146 Kilometer langen Kulturroute entdeckt man an Bauernhäusern Stilelemente der „Echternacher Schule“.
Beim Bau der Abtei Echternach hatten aus Tirol und Oberösterreich angeheuerte Architekten, Baumeister und Steinmetze ihr Handwerk bewiesen. Nun meißelten sie ihre unverkennbare Handschrift in den Stein stattlicher Bauernhäuser. Rokoko-Spielereien, wie sie Paul Mungenast, der Sohn des Abteibauers am Pavillon im Echternacher Stadtpark, dem Ausgangspunkt des Kulturweges, 1761 vorgegeben hatte, traten ihren Siegeszug auf dem Bauernhof an.
„Das will ich auch haben“, lautete die Motivation der in der langen Friedensperiode zu Wohlstand gelangten Bauern. „Zeitzeuge“ kann beispielsweise eine Tür mit barocken Girlandenmotiven sein. Der Eingangsbereich geht über seine eigentliche Funktion hinaus. Stechen Haustüre und darüber liegende Fenster erhaben aus der Fassade hervor, zeugt das von Stolz und Selbstbewusstsein der Landbevölkerung. „An der Hausfassade wird das künstlerische Empfinden, der gute Geschmack ablesbar“, sagt Georges Calteux. Als ehemaliger Direktor der Denkmalpflege im Großherzogtum Luxemburg freut er sich über fachkundig restaurierte Kleinode aus der Zeit der „gele Jorn“, der „goldenen Jahre“. Das seien nicht nur bauliche Maßnahmen oder gar ein Tünchen der Fassade, sondern „eine Art Rückbesinnung auf die Vergangenheit“.
Wer etwas über die Vergangenheit seines Hauses oder umliegender Gebäude zu berichten weiß, das in Zusammenhang mit dem Barockbaustil der „Echternacher Schule“ steht, wendet sich an die VG Irrel Telefon 06525/79117. ma/jöl
EXTRA Das Museum zum Thema Landarchitektur und Abtei Echternach im Rokoko-Pavillon im Echternacher Stadtpark ist täglich außer Montags geöffnet. Infos unter 0049(0)5625/79117.
Anlagen:
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